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Erst Limoncello, jetzt Lederhose: Ein Restaurant in Grünau begrüßt die Nachbarschaft

  • vor 14 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Rund 80 Gäste in Weiß, ein ausverkauftes Fest mitten im Berliner Südosten: Mit einer Limoncello-Nacht hat das Restaurant Zum Grünau im Sommer getestet, ob sich sein alter Ruf als Ausflugslokal wiederbeleben lässt. Jetzt folgen Oktoberfest und Brunch.


Grünau ist der Teil Berlins, den die Stadt sich selbst am ehesten als Ausflugsziel gönnt. Dahme-Ufer, Regattastrecke, ein Kiez, der seit mehr als hundert Jahren Sonntagsausflügler anzieht. Ende des 19. Jahrhunderts reihten sich hier Ausflugslokale aneinander, Berliner kamen mit dem Dampfer oder der Bahn, verbrachten den Tag am Wasser und kehrten abends satt in die Stadt zurück. Auf der Regattastrecke wurden 1936 sogar olympische Ruderwettbewerbe ausgetragen. Von diesem Ruf ist nach der Wende wenig übrig geblieben, Grünau wurde zum Wohnort, nicht mehr zum Ziel.


Ein Stück dieser Geschichte soll jetzt zurückkommen, wenn auch mit Bierzelt-Sound statt Blasorchester. Im Sommer kamen rund 80 Gäste in weißer Kleidung zur Limoncello White Night im Restaurant Zum Grünau, ausgebucht bis auf den letzten Platz. Am 26. September folgt die erste Grünauer Wiesn, am 4. Oktober ein Wiesn-Brunch. Für die Betreiber ist das kein beliebiges Eventprogramm, sondern ein Versuch, eine alte Funktion zurückzugewinnen: die des Treffpunkts für eine ganze Gegend.


Zurück zum Ausflugslokal


Seit Anfang 2026 betreibt die Stiftungsgruppe Bürgermeister Reuter das Zum Grünau und das benachbarte Hotel Waldzeit. Die Übernahme soll nicht nur die Küche verändern. „Wir wünschen uns doch alle ein Umfeld, in dem Menschen gerne zusammenkommen, miteinander sprechen und eine gute Zeit verbringen", sagt Anja Landvoigt, Vorstandsvorsitzende der Bürgermeister-Reuter-Stiftung und Geschäftsführerin des Immobilienservice Bürgermeister Reuter. Ein solcher Standort bringe Verantwortung mit sich, sagt sie, „für die Menschen, die hier arbeiten, aber auch für die Gegend, zu der dieser Ort gehört. Ein Restaurant kann dazu beitragen, dass gesellschaftliches Leben stattfindet."

Landvoigt selbst ist mit der Region verbunden, Grünau ist für sie kein austauschbarer neuer Standort. Die Limoncello-Nacht war der erste Beleg dafür, dass die Rechnung aufgehen könnte: Gäste nahmen den Weg in den Südosten bewusst auf sich, für einen Abend, der sich von einem gewöhnlichen Restaurantbesuch unterschied.

Anja Landvoigt freut sich über die Entwicklung im Zum Grünau / Foto: Jana Kaminski
Anja Landvoigt freut sich über die Entwicklung im Zum Grünau / Foto: Jana Kaminski

Wiesn statt Wasserblick


Am 26. September, von 16 bis 22 Uhr, übernimmt die Live-Band Partyholixxx den Saal, dazu gibt es frisch gezapftes Bier, Brezn und bayerische Küche. Wer mag, lässt sich an der Styling-Ecke eine Wiesn-Frisur machen oder versucht sich im Baumstammnageln, Tracht ist willkommen, aber nicht Pflicht. Eintritt: 39,50 Euro, darin enthalten ein Verzehrgutschein über 20 Euro. Berlin bekommt damit ein weiteres Oktoberfest unter vielen, das allein wäre keine Meldung wert. Bemerkenswert ist der Ort: kein Festzelt am Alexanderplatz, sondern ein Waldrestaurant in Grünau.



Eine Woche später, am 4. Oktober, folgt die stillere Variante. Von 11 bis 14 Uhr gibt es den Grünauer Wiesn-Brunch, ein Buffet aus klassischem Frühstück, bayerischen Spezialitäten und warmen Speisen, Kaffee, Kakao, Wasser und Saft inklusive. Auch hier 39,50 Euro pro Person, Kinder bis fünf essen kostenfrei, für Sechs- bis Elfjährige gibt es die Hälfte. Ein Format für Familien, die am Wochenende zusammensitzen wollen, ohne dafür weit zu fahren.


Der Dritte Ort


In der Soziologie nennt man solche Orte den „Third Place", eine Kategorie zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, die der US-Soziologe Ray Oldenburg 1989 beschrieben hat: Cafés, Kneipen, Biergärten, eben auch Restaurants, an denen Menschen sich freiwillig aufhalten, Gesichter kennenlernen, ohne Anlass vorbeischauen. Genau diese Funktion hatten Berlins Ausflugslokale einmal wie selbstverständlich, bevor Freizeitgewohnheiten sich verschoben und viele dieser Orte verschwanden oder zu reinen Restaurants ohne Publikum wurden, das länger blieb als eine Mahlzeit dauert.


Ob das im Grünau der Gegenwart funktioniert, hängt weniger von der Brezel ab als von der Frage, ob aus einmaligen Besuchern wiederkehrende Gäste werden. Die Stiftungsgruppe Bürgermeister Reuter, in Treptow-Köpenick bereits mit mehreren Häusern vertreten, setzt darauf, dass sich das Format über die Saison hinweg trägt.


„Am Ende entsteht gesellschaftliches Leben nicht abstrakt", sagt Landvoigt. „Es entsteht dort, wo Menschen einen Grund haben, zusammenzukommen. Genau solche Orte brauchen wir in Berlin."

Oktoberfest im Zum Grünau / Foto: Marina Feidel
Oktoberfest im Zum Grünau / Foto: Marina Feidel

Für den Herbst 2026 heißt der Grund Oktoberfest. Was danach kommt, ist offen, und genau das ist der Punkt: Ein Ausflugslokal lebt nicht von einem einzelnen Fest, sondern davon, dass immer wieder eines ansteht.


Die Termine: Die Grünauer Wiesn im Restaurant Zum Grünau findet am Samstag, 26. September 2026, von 16 bis 22 Uhr statt, Eintritt 39,50 Euro inklusive 20 Euro Verzehrgutschein. Der Wiesn-Brunch folgt am Sonntag, 4. Oktober 2026, von 11 bis 14 Uhr, 39,50 Euro pro Person, Kinder bis fünf Jahre kostenfrei. Tickets sind hier erhältlich: https://restaurant-zum-gruenau.de/events/oktoberfest/



Die Autorin Jana Kaminski ist Soziologin, Journalistin und Hotel- und Gastroexpertin. Sie schreibt für ihr GUSTASMagazin über Orte, die sie begeistern und unterstützt mit GUSTARIA brands/stories das Restaurant Grünau bei der Pressearbeit.

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