Langsam, bewusst, voller Genuss: Neue Esskultur im Restaurant Onda auf Rügen
- Jana Kaminski
- 29. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Das Restaurant Onda gehört 2025 zu den TOP 10 des Deutschen Gastro-Gründerpreises. Es überzeugt mit nur 20 Plätzen, einer Vier-Tage-Woche für alle. Dafür aber kein Telefon. Und jede Menge hochwertige Küche auf Rügen. Maria Decker und Damon Budd nehmen sich Zeit. Für ihre Gäste. Für regionale Produkte. Für eine Küche, die sich am Rhythmus der Insel orientiert und nicht an Verfügbarkeiten des Großhandels.

Die Speisekarte folgt dem, was auf Rügen wächst. Ergänzt wird sie durch Ernten aus der vergangenen Saison. Fermentiert, eingelegt oder haltbar gemacht, meist von Damon Budd selbst. Für dieses konsequent umgesetzte Konzept wurde das Restaurant unter die besten Neugründungen Deutschlands gewählt.
Seit Januar 2024 ist das Onda in Putbus ein Ort für Esskultur, der mehrere Gewerke zusammenführt. Backstube, Restaurant mit saisonaler Küche und eine Lautsprecher-Manufaktur unter einem Dach. Kulinarik, Handwerk und Gestaltung greifen ineinander. Ziel ist kein Erlebnisformat, sondern ein funktionierendes Miteinander. Das Restaurant ist an vier Tagen geöffnet und bewusst klein gehalten. Ergänzt wird der reguläre Betrieb durch Formate wie Stranddinner, Sip ’n Stitch Weihnachtsessen oder einen Aussie-Brunch mit Gerichten aus Damons Herkunft.
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Regional durch die Wintersaison: Fermentieren, Einlegen, Weiterdenken im Onda Rügen
Im Onda ist Regionalität Arbeitsgrundlage. Der Fisch stammt von Henry Diedrich, einem der letzten Fischer der Region. Gefangen im Bodden rund um Ummanz und Mönchgut. Milchkuh vom Naturhof Otto in Datzow. Wild von Peter Gasnik aus Putbus. Lamm von der Schäferei Westphal auf dem Mönchgut. Gemüse und Obst kommen unter anderem vom Naturhof Otto, von Jacob Walter und von Mittelpunkt Mensch e. V. auf Rügen.
Rund 85 Prozent der Produkte stammen von der Insel. Das Ziel liegt bei 100 Prozent. Die saisonale Karte im Spätherbst umfasste Gerichte wie Ostsee-Zander mit Spitzkohl, eingelegter Zitrone und Algen-Buttersauce. Hausgemachte Kürbispasta mit Insel-Käsesauce, Kräutern und Lauchasche. Langsam gegartes Apfelschwein mit Fenchel-Salsiccia und Beluga-Linsen-Cassoulet. Für die Kürbispasta wurde Sauerteigbrot im Pastateig weiterverwendet. Resteverwertung als Küchenroutine, nicht als Botschaft.
„Wir möchten unseren Gästen nicht nur ein Essen bieten, sondern zeigen, woher Lebensmittel kommen und wie sie verarbeitet werden“, sagt Damon Budd. Persönliche Beziehungen zu Produzentinnen und Produzenten gehören zum Alltag. Einkauf wird nicht delegiert, sondern verstanden.
Wirtschaftlichkeit durch Gemeinschaft
Das Onda ist mehr als ein Restaurant auf Rügen. Im gleichen Gebäude entsteht in der Backstube von Hofbrot handgemachtes Sauerteigbrot von Karl Reiß. Im Showroom von Inselklang fertigen Malte Sodmann, Paul Reiß und ihr Team Lautsprecher. Räume, Ressourcen und Infrastruktur werden gemeinsam genutzt. Ein Modell, das Kosten senkt und Qualität sichert.
„Es klingt idealistisch, ist aber umsetzbar“, sagt Maria Decker. Klare Abläufe, begrenzte Öffnungstage und ein kleines Team schaffen Verlässlichkeit. Zeit für Familie. Zeit für das Produkt. Zeit für Gäste.

Nachhaltigkeit als durchgehendes Prinzip
Nachhaltigkeit zeigt sich im Onda nicht punktuell. Sie bestimmt den Betrieb. Lebensmittel werden vollständig genutzt. Abfälle minimiert. Arbeitszeiten fair organisiert. Maria Decker engagiert sich zudem als Mitgründerin der Initiative #proudtokellner für mehr Wertschätzung in der Gastronomie. Auch das prägt die interne Struktur.
Das Onda zeigt, dass moderne Gastronomie auf Rügen wirtschaftlich, regional und handwerklich zugleich funktionieren kann, ganz ohne Verzicht auf Qualität. Maria Decker und Damon Budd wollen damit keinen Maßstab setzen, sondern Möglichkeiten sichtbar machen.
Über das Restaurant Onda
Das Restaurant Onda wurde im Januar 2024 von Damon Budd und Maria Decker in Putbus auf Rügen eröffnet. Im Frühjahr 2025 bezieht das Restaurant neue Räumlichkeiten im gleichen Gebäude. Damon Budd stammt aus Neuseeland und arbeitete viele Jahre in der gehobenen Gastronomie in Melbourne, wo er ein eigenes Restaurant führte. Nach dem Umzug nach Deutschland 2018 organisierten beide Pop-up-Dinner in Berlin und auf Rügen. Maria Decker bringt neben gastronomischer Erfahrung auch Kenntnisse aus Design, Interior, Fotografie sowie handwerklichen Techniken in das Konzept ein.

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